Energiepflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Wildpflanzen

Merkmale

Wildpflanzenmischungen zur Biogasgewinnung bestehen aus Wildpflanzen- und Kulturarten, die etwa 2m hohe, dichte und blütenreiche Bestände bilden. Die in Zuchtgärten selektierten regionalspezifischen Wildpflanzenmischungen sind an verschiedene Standortbedingungen angepasst und bestehen meist aus 15-20 Arten. Als mehrjährige Arten kommen überwiegend heimische Wildarten zum Einsatz. Die Auswahl erfolgt hierbei nach Blühzeitpunkten und Biomasseaufwuchs. Dabei werden möglichst regionale Herkünfte verwendet. Erscheinungsbild und Blütenaspekt der mehrjährigen Bestände verändern sich in den ersten drei Standjahren deutlich, weil an die Stelle der zunächst dominierenden ein- und zweijährigen Arten (z. B. Malven und Sonnenblumen) zunehmend heimische Staudenarten wie Rainfarn und Wegwarte treten. Die Ernte erfolgt einmal jährlich ab Mitte Juli, wobei der optimale Erntetermin je nach Standjahr und Mischung variiert. Durch die in der Mehrjährigkeit der Bestände begründete ganzjährige Bodendeckung, die intensive Durchwurzelung des Bodens und die geringe Eingriffshäufigkeit wird die Erosionsgefahr vermindert und wertvoller Lebensraum für verschiedene Wildtiere wie Fledermäuse, Vögel, Hasen und Rehe geschaffen. Die vielfältigen Blühpflanzen bieten Bienen und anderen Blütenbesuchern gerade in der auf Agrarflächen blütenarmen Zeit im Spätsommer zusätzliche Nahrungsquellen.

Kulturgeschichtlicher Hintergrund

Diese Art des Energiepflanzenanbaues mit mehrjährigen Mischkulturen wird momentan noch erprobt und weiterentwickelt. Blühmischungen mit verschiedenen Kulturpflanzen sind u.a. aus der Brachebegrünung und der Anlage von Saumstrukturen bekannt. Einige der verwendeten Arten wie z.B. die Wilde Malve sind schon seit der Antike im Anbau.

Anbau

Die Aussaat erfolgt auf einem feinkrümeligen, unkrautfreien, abgesetzten Saatbett. Bei der Mischung kann die Aussaat, je nach Region, ab Mitte April in Breitsaat erfolgen. Hierbei darf das überwiegend feinsämige Saatgut nur oberflächlich abgelegt werden. Ein anschließendes Anwalzen ist sinnvoll. Geerntet wird im 1. Standjahr bei ca. 28% TS (meist Ende August bis Ende September), ab dem zweiten Standjahr nach der Hauptblüte des Bestandes je nach dominierenden Arten ab Mitte Juli mit praxisüblichen Maschinen, z.B. einem reihenunabhängigen Häcksler. Verspätete Erntetermine führen zu einem Rückgang der Methanausbeute. Auf Pflanzenschutz kann verzichtet werden und die Nährstoffansprüche sind vergleichsweise gering.

Derzeit liegt das Ertragsniveau bei 50 – 60 % von Silomais.

Hinweise zu acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen (wie Fruchtfolge, Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz u.s.w.) erhalten Sie u.a. über die Landwirtschaftskammern und landwirtschaftlichen Landesanstalten oder in den FNR-Regionalbroschüren zum Energiepflanzenanbau.

Wildpflanzenmischungen tragen nicht nur zur Bereicherung des Landschaftsbildes bei, sie erhöhen auch die Vielfalt in der Agrarlandschaft und sind Lebensraum und Nahrung für wildlebende Tiere.

Verwendung

Substrat für Biogasanlagen

Methanertrag pro Hektar knapp 50 % im Vergleich zu Silomais.

Weitere Informationen

(FNR nach Vollrath, B. und Werner, A. aus: Pflanzen für Industrie und Energie sowie Degenbeck, M.: Nachhaltige Biogaserzeugung aus Wildpflanzen)