Energiepflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

GAP-Reform und Greening

Grundsätzliches

Im Rahmen der Reform der europäischen Agrarpolitik wird die Ausrichtung zu einer ökologischen und nachhaltigen Landwirtschaft verstärkt gefördert. Im Rahmen der Greening-Vorgaben und der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) der Bundesländer bestehen durchaus vielversprechende Möglichkeiten für den Anbau von Energie- und Industriepflanzen. Das trifft sowohl auf die Hauptkulturen wie Raps oder Mais, aber auch auf die bisher eher marginal angebauten Kulturen und Mischungen, wie z.B. Wildpflanzen, zu. Greening und AUKM können somit die Vielfalt auf den Feldern erhöhen und damit nicht zuletzt zu einem Imagegewinn der Landwirtschaft beitragen.

Ab dem Jahr 2015 werden die Beschlüsse der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Deutschland umgesetzt. Zukünftig setzen sich die Direktzahlungen folgendermaßen zusammen:

  • Basisprämie: Sie wird bis 2019 auf einen bundeseinheitlichen Wert von ca. 175 EUR/ha festgelegt.
  • Greening-Prämie: Sie beträgt ab 2015 bundeseinheitlich rund 85 EUR/ha.
  • Junglandwirte: Betriebsinhaber, die nicht älter als 40 Jahre sind, erhalten  für max. 5 Jahre nach Erstübernahme des Betriebes etwa 44 EUR/ha für die ersten 90 ha.
  • Umverteilungsprämie: Diese beträgt rund 50 EUR/ha für die ersten 30 ha und circa 30 EUR/ha für die Hektare 31 bis 46 ha.

Zielstellung des Greenings ist, dass die Landwirte auf ihren Flächen bestimmte, für den Klima- und Umweltschutz förderliche Landbewirtschaftungsmethoden anwenden. Die Teilnahme am Greening ist grundsätzlich für alle Betriebe verpflichtend, die an der Basisprämie teilnehmen. Verstöße gegen die Greening-Auflagen führen zu teilweiser bis vollständiger Kürzung der Greening-Prämie und nach einer Übergangszeit zusätzlich zu Sanktionen, die im Extremfall auch eine teilweise Kürzung der Basisprämie zur Folge haben können.

Das Greening umfasst folgende Maßnahmen:

  • Erhalt von Dauergrünland (Referenzjahr 2012/2015)
  • Anbaudiversifizierung
  • Ökologische Vorrangfläche.

Vom Greening freigestellt sind:

  • Betriebe des ökologischen Landbaus
  • Betriebe mit ausschließlichem Anbau von  Dauerkulturen (z.B. Hopfen, Wein etc.)
  • Teilnehmer an der Kleinlandwirteregelung.

Die rechtliche Grundlage des Greenings bilden die Verordnung (EU) 1307/2013 sowie die Verordnung (EU) Nr. 639/2014, bezüglich Kürzungen und Sanktionen gilt die Verordnung (EU) 640/2014.

Im Direktzahlungen-Durchführungsgesetz (DirektZahlDurchfG) und der am 14. November 2014 in Kraft getretenen Direktzahlungen-Durchführungsverordnung (DirektZahlDurchfV) sind die nationalen Detailregelungen zum Greening enthalten.

Was bedeuten die Greening-Maßnahmen im Einzelnen?

Erhalt von Dauergrünland

Ab dem 01.01.2015 gilt für umweltsensibles Dauergrünland, d. h. zu diesem Zeitpunkt vorhandenes Dauergrünland in FFH-Gebieten, ein absolutes Umwandlungs- und Pflugverbot. Außerhalb von FFH-Gebieten ist die Umwandlung von Dauergrünland deutschlandweit nur noch mit Genehmigung möglich, die in der Regel an die Neuanlage einer Dauergrünlandfläche an anderer Stelle geknüpft ist.

Anbaudiversifizierung

Die Anbaudiversifizierung ist für alle Betriebe mit mehr als 10 ha Ackerfläche relevant.

Für Betriebe zwischen 10 und 30 ha Ackerfläche gilt:

  • mindestens zwei Kulturen im Anbau
  • Hauptkultur darf 75% der Ackerfläche nicht übersteigen.

Für Betriebe größer 30 ha gilt:

  • mindestens drei Kulturen im Anbau
  • Hauptkultur darf 75% der Ackerfläche nicht übersteigen
  • die beiden größten Kulturen dürfen 95% der Ackerfläche nicht übersteigen.

Die Bedingungen für die Anbaudiversifizierung müssen  in Deutschland im Zeitraum 1. Juni bis 15. Juli zu jedem Zeitpunkt erfüllt sein.

Die Anerkennung der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen für das Greening richtet sich nach deren botanischer Klassifizierung. Zu einer einzigen Kultur gehören alle Arten einer Gattung, z.B. bei der Gattung Weizen zählen alle Arten wie Weichweizen, Hartweizen, Dinkel, Emmer und Einkorn dazu, Winter- und Sommerkulturen gelten als unterschiedliche Kulturen, auch wenn sie zur selben Gattung gehören, z.B. handelt es sich bei Winter- und Sommerweizen um zwei Kulturen. Außerdem zählt brachliegendes Ackerland als  eine Kultur und auch alle Gräser und Grünfutterpflanzen zählen gemeinsam als eine einzige Kultur.

Neben den genannten Ausnahmen vom Greening, besteht die Freistellung von der Anbaudiversifizierung auch für Betriebe, die mehr als 50 % ihrer Flächen tauschen und auf der gesamten beantragten Ackerfläche eine andere Kultur als die des Vorjahres anbauen.

Ökologische Vorrangflächen (ÖVF)

Betriebe, die mehr als 15 ha Ackerfläche bewirtschaften, müssen 5 % ihrer Ackerfläche als ÖVF bereitstellen, Dauergrünland und Dauerkulturen ausgenommen. Dabei können sie aus den in der DirektZahlDurchfV veröffentlichten Möglichkeiten die für Ihren Betrieb geeigneten Maßnahmen auswählen. Bis auf Niederwald im Kurzumtrieb (§ 30 DirektZahlDurchfV) müssen sich grundsätzlich alle ÖVF auf Ackerland befinden. Die Flächen sind im Umweltinteresse zu nutzen, eine landwirtschaftliche Nutzung ist unter bestimmten Bedingungen zulässig. Die unterschiedliche ökologische Wertigkeit der verschiedenen Varianten ökologischer Vorrangflächen wird über Gewichtungsfaktoren berücksichtigt, die von der EU-Kommission festgelegt wurden.

Welche Maßnahmen für die Erbringung der ÖFV in Deutschland anerkannt und wie sie gewichtet werden, ist in Tabelle 1 dargestellt. Weiterhin werden in der DirektZahlDurchfV konkret die zulässigen Arten für Niederwald, Zwischenfrucht- und Leguminosenanbau benannt, die auf den ökologischen Vorrangflächen angebaut werden dürfen.

 

Tab. 1: Ökologische Vorrangflächen

Maßnahme Gewichtungsfaktor 
Zwischenfruchtanbau, Grasuntersaaten 0,3
Anbau stickstoffbindender Pflanzen 0,7
Brache 1,0
Landschaftselemente (gemäß CC):  
Hecken, Knicks, Baumreihen 2,0
Feldgehölze, Einzelbäume 1,5
Feldraine, Feuchtgebiete, Sonstige 1,0
Weitere Elemente:  
Feldrand-, Puffer-, Waldrandstreifen jeweils ohne Produktion 1,5
Agroforstflächen / Aufforstung 1,0
Kurzumtriebsplantagen 0,3

 

„Greening“ und Agrarumweltmaßnahmen

Die Landwirte können auch Flächen mit bestimmten Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM)  als ökologische Vorrangfläche ausweisen. Dabei gilt das sogenannte Doppelförderungsverbot. Das bedeutet, wird eine AUKM-Fläche auf das Greening angerechnet, muss dafür ein fest vorgegebener Betrag vom AUKM-Fördersatz abgezogen werden. Die „Nationale Rahmenregelung der Bundesrepublik Deutschland für die Entwicklung ländlicher Räume (NRR) gibt hier die Grundsätze der Anrechnung vor. Durch den Bund wurde der Wert für 1 ha ökologische Vorrangfläche auf 250 Euro berechnet und festgesetzt. Bei der Berechnung des AUM-Abzuges sind für die verschiedenen Arten von Vorrangflächen die jeweiligen Gewichtungsfaktoren für das Greening zu berücksichtigen. Danach errechnen sich je nach AUKM unterschiedliche Abzüge.

Die Umsetzung der Anrechnung von AUKM auf die ökologische Vorrangfläche ist Ländersache. Die Länder können entscheiden, ob eine Anrechnung der AUKM auf die ÖVF zugelassen wird bzw. festlegen, welche Maßnahmen anrechenbar sein sollen.

Weiterführende Informationen

Einen umfassenden Überblick zum System der Direktzahlungen ab 2015, der auch die Greening-Prämie einschließt, bietet die BMEL-Broschüre "Umsetzung der EU-Agrarreform in Deutschland", Ausgabe 2015.

 

 

 

Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe